Pro Gäubahn fordert sofortigen Stopp von Stuttgart 21

Schockiert von den neusten Entwicklungen in Sachen Stuttgart 21 fand die seit langem best-besuchteste gemeinsame Versammlung von Pro Gäubahn Tuttlingen und Pro Gäubahn Bodensee/Konstanz statt. Henrich Tiessen fasste die Ereignisse gleich zu Beginn zusammen: Im Frühjahr fiel beim Abriss Südflügels des Stuttgarter Hauptbahnhofs ein Pfeiler auf Gleis 15 und 16. Eine Frau wurde verletzt. Seitdem ist dreimal ein Zug wegen der Stuttgart 21-Bauarbeiten entgleist. Der Bahnverkehr ist wegen Stuttgart 21 zu einem massiven Sicherheitsrisiko geworden. Und erst letzte Woche kam ein Gutachten an die Öffentlichkeit, dass zeigt, dass der Brandschutz im Tiefbahnhof weiterhin höchst mangelhaft und so überhaupt nicht genehmigungsfähig ist.

Bei einem Brand im Tunnel würden die flüchtenden Fahrgäste verraucht und sie so einem Erstickungsrisiko ausgesetzt, weshalb jetzt praktisch das Gesamtprojekt Stuttgart 21 komplett neu geplant werden muss. Dies würde die Gesamtkosten auf über 15 Milliarden Euro treiben, so Andreas Frankenhauser, der das Gutachten gelesen hatte. Dieses Geld würde aber keiner der Projektpartner auf den Tisch legen, weshalb das Projekt nun nicht mehr fortgesetzt werden kann. Thomas W. Ascher fragte deshalb: „Muss es denn erst Tote geben, bis dieser Wahnsinn endlich gestoppt wird?“ Pro Gäubahn fordert deshalb einen sofortigen Projektabbruch. S21 sei nicht mehr verantwortbar. Die Sicherheit sei miserabel, der Kostenrahmen längst überschritten „Die Bahn nimmt die Lage aber offenbar weiter nicht ernst und setzt Menschleben aufs Spiel“, so Uli Dorn. „Die Nachbesserungen in Sachen Brandschutz, zu der sich die Bahn AG in der Stuttgart 21-Schlichtung vor mehr als 2 Jahren verpflichtet hat, werden einfach nicht eingehalten; auch wenn dies der Gesetzeslage widerspricht. Unser Vertrauen in die Versprechungen der Bahn AG ist inzwischen verspielt. Die Bahn AG beweist es jeden Tag erneut: Sie kann es einfach nicht.“ „Wir hoffen deshalb, dass Stuttgart 21 bis Weihnachten rechtlich verbindlich eingestellt werden kann“, so Henrich Tiessen. „Wir stehen dabei in den Startlöchern“, betonte Tiessen. „Das bei Projektabbruch frei werdende Geld wollen wir für die Gäubahn verwenden. Seit Jahren herrsche hier Stillstand, da Stuttgart 21 das Geld wie ein Staubsauger
von den vielen sinnvollen Ausbauprojekten im Land abzieht. „Wir begreifen das S21-Disaster deshalb auch als Chance endlich an Geld für die Gäubahn zu kommen.“

Stefan Otto ging auf die aktuellen negativen Auswirkungen von S21 auf den Gäubahn-Verkehr ein: „Stundenlang wird der Stuttgarter Hauptbahnhof nicht mehr angefahren. Die Züge müssen in Böblingen enden. Eine ganze Region wird wegen dem Dilettantismus bei S21 gerade abgehängt. So schlecht war der Gäubahn-Fahrplan zuletzt, als die Bomben des 2. Weltkriegs den Betrieb so beeinträchtigten, dass es keine durchgehenden Züge mehr nach Stuttgart gab. S21 erweist sich jetzt schon als Katastrophe für die Bahnnutzer,“ so Otto weiter.

„Für das Geld für das in Berlin ein Hauptstadtflughafen gebaut wird, wird in Stuttgart nun ein Bahnhof zerstört und ein neuer gebaut, der noch die Größe und Kapazität des Immendinger Bahnhofs hat.“ Tiessen fügte hinzu:„ Mit den eklatanten Sicherheitsproblemen und der Kostenexplosion in Folge der kompletten Neuplanung von Stuttgart 21 hat sich die Situation seit dem Volksentscheid grundsätzlich geändert. Das Stuttgart 21, über das abgestimmt wurde, gibt es nicht mehr. Es ist nicht genehmigungsfähig und ein eklatantes Sicherheitsrisiko. Deshalb muss jetzt endlich Ruhe einkehren, und das Projekt schnellst möglich gestoppt werden. Jeder Tag kostet weitere Steuergelder und gefährdet erneut das Leben von Fahrgästen.“

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